H o m e   O f   P a u l i O p a

Wer ist der PauliOpa

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Auszug aus „Der PauliOpa“, ©PauliOpa, 2000-2002

Der PauliOpa wohnt am Rande einer großen Stadt. Er ist – wie ich es sehe – uralt. Er sagt, er sei noch jung. Man sei so alt wie man sich fühle. Und er fühle sich noch nicht wie sechzig, obwohl er in einigen Monaten diesen runden Geburtstag feiert. Er ist ein gemütlicher Opa mit Bart und nicht so groß, wie er gerne sein möchte und auch nicht so schlank.

Er war früher viel auf Reisen in Europa und Übersee und verkaufte Maschinen und Geräte im Osten und Westen, er war mit medizintechnischen Artikeln unterwegs und er hatte eine gemütliche Art, diese Geschäfte zu machen, er war sehr zielstrebig und er hatte gute Erfolge bei seinen Verkäufen. Ein anderer Verkäufer sagte einmal: " Der PauliOpa sei kein Verkäufer". Da war der PauliOpa böse. Der Mann setzte aber fort: "Er helfe den Kunden bei ihm zu kaufen". Das war der PauliOpa nicht mehr böse, sondern freute sich über das Lob, zumal es von einem Methusalem und Starverkäufer einer Firma kam.

Ich bin sein Enkerl und heiße Daniela.  Der PauliOpa und meine Freunde nennen mich "Dani“. Ich bin jetzt ganze zwölf Jahre alt. Als ich zehn Jahre alt war, habe ich mich entschlossen, mit der Hilfe vom PauliOpa, einige Geschichten aufzuschreiben. Geschichten aus dem Leben vom PauliOpa und auch solche, die wir gemeinsam erlebt haben oder auch gemeinsam geträumt hatten.

Eine Frau hat der PauliOpa auch. Er nennt sie HediOma (PauliOma solle man nicht sagen, ein Pauli im Haus reiche ihm, sagt der PauliOpa).

Den Tag verbringt PauliOpa - seit er durch widrige Umstände aus seinem Beruf aussteigen musste - mit Zeitung lesen, Fernsehen, Haushaltsarbeiten, und manchmal auch Radfahren, er geht manchmal spazieren - im Wald und - fast noch lieber - in Shopping-Cities in der Umgebung. Er sagt er sei jetzt ein Privattier und brauche viel Pflege und Zuwendung. Er sitzt auch gerne oder besser, liegt auch gerne auf seinem Sofa, deswegen sagen die Leute auch "Couchpotatoe" (sprich: [Kautschpotäitoo]) zu ihm. Seine Mutter war eine ähnlich gemütliche Frau, sie schlief gerne, daher war sie als "Heidi-Puh"-Tante Mitzi in der Verwandtschaft bekannt.

Wenn PauliOpa „Dani“–Tag hat, kocht er auch zu Mittag. Palatschinken. Der PauliOpa ist der beste Palatschinkenkoch, den ich kenne. (Ich kenne jedenfalls keinen anderen Koch). "Dani"-Tag hat der PauliOpa zwei- bis dreimal in der Woche. Das sind die Tage, an denen ich nach der Schule zu ihm komme, um den Nachmittag bei ihm zu verbringen, oder dann auch bei ihm zu schlafen. Ich habe beim PauliOpa ein eigenes Zimmer, wo ich mich ausbreiten kann wie ich möchte.

Wenn ich zu Bett gehe, sage ich zu PauliOpa: „Gute Nacht“ und er sagt dann: „Gute Nacht, schlaf gut, träum‘ was Schönes und bis morgen, in aller Fröhlichkeit!“ Ich war früher immer sehr grantig in der Früh nach dem Aufstehen, seitdem wir diese Zeremonie machen, nicht mehr.

Unlängst habe ich dem PauliOpa einen meiner Träume erzählt, einen etwas längeren Traum.. Jetzt sagt er am Abend auch manchmal: „Gute Nacht, schlaf` gut und bis morgen in aller Fröhlichkeit. Und – träum ein Buch!“

Einmal saß ich auf dem Sofa und habe stricken geübt. Ein Stück mit etwa dreißig Maschen breit, also ein recht schmales Stück und auch recht kurz.

Der PauliOpa ging vorbei und fragte: „Was strickst du denn da?“ Ich schaute ihn verschmitzt an und antwortete: „Einen Pullover für dich!!!“Der PauliOpa schaute ein wenig verdutzt, dann aber mussten wir beide herzlich lachen.

Der Pullover müsste ja für den PauliOpa wesentlich größer sein, denn der PauliOpa ist ein sehr gewichtiger Mann. Er meinte, es sei wahrscheinlich sehr schwierig für ihn einen Pullover zu stricken, in der Größe von einem Zelt.

Er sagt auch, er sei keineswegs dick, sondern querschlank und sehr geschmeidig. Ein Ühu, wie er leibt und lebt, also einer über hundert Kilo, aber nur knapp. Also ein Knapp-Ühu.

Der PauliOpa hat aber auch selber immer feine Sprüche auf Lager. Als die HediOma einmal zu ihm sagte: „Sag, dass du mich lieb hast!“, antwortete er:„Dass du mich lieb hast“.

Der PauliOpa sagt auch, er lebe in einem Land, das die Nachfahren der Schildbürger bewohnen und es dort gäbe viele Leute, die einen Kopf haben, damit sie einen Hut aufsetzen können und nicht zum Denken. "Denn", sagt der PauliOpa, "denken täte schmerzen!".

Auch die Politik interessiert den PauliOpa. Er schaut im Fernsehen politische Sendungen an. "Weil", so sagt er, da bräuchte man nicht in ein Kasperltheater gehen oder in ein Kabarett!".

Vor dem Haus, in dem die Gesetze beschlossen werden für das Land, in dem der PauliOpa lebt, steht eine urgroße Figur. Man nennt dieses Haus auch das Parlament, nach dem ausländischen "parlieren", was schön sprechen hieße.

Diese Figur soll eine Göttin aus dem Ausland sein, die "Pallas Athene", die Göttin der Weisheit aus dem alten Griechenland. Sie muss sie vor dem Haus stehen, Sommer und Winter, und sie kann nicht und nicht hinein, weil sie von den Menschen in diesem Haus keiner drinnen haben möchte.

"Wahrscheinlich", meint der PauliOpa, "weil sie aus dem Ausland ist. So sei es halt, dass man noch warten müsse, bis die Weisheit in dieses Haus eintreten dürfe.

Der PauliOpa hat auch einen Bart. Er sagte, dass sein Gesicht früher wie der untere Hinterteil von einem Baby gewesen wäre, so glatt. Jetzt hat er weiße (oder weise) Haare und sein Bart ist sehr stattlich. Die Leute sagen zu Weihnachten zu ihm:

"Hallo, Weihnachtsmann, wie geht es?"

"Danke, so wie die anderen wollen!"

Den Bart hätte er sich wachsen lassen, weil er die Erfahrung gemacht hätte, dass den Worten der bärtigen Männer mehr geglaubt werde. Die Leute dächten: "Der "Professor" hätte dieses so oder so gemeint" und würden dann - auch bei einem möglichen Blödsinn - bedeutungsvoll und anerkennend mit dem Kopf zustimmend nicken, oder beifällige "Ja, das ist wahr" - und "Ja, da hat er Recht" - Aussagen machen.

Wichtig sei es auch, dass er älter aussähe, wenn er in einem Amt oder bei einer Behörde etwas zu erledigen hätte. Denn manchmal würde das Alter geschätzt...

Im Großen und Ganzen ist der PauliOpa ein zufriedener Mann. Das kann man sehen. Er sagt, das Märchen vom "Hans im Glück" habe für ihn eine große Bedeutung. Der Hans im Glück sei der glücklichste Mann der Welt gewesen, als er nichts mehr hatte.

"Denn", so sagte der PauliOpa, "wenn du nichts hast, dann hast du keine Sorgen und brauchst auf nichts aufpassen!"

Wenn du ausreichend zu essen hast, eine Wohnung und - das sei sehr wichtig - eine nette Familie und gute Freunde, dann sei alles im Lot. Du kannst nicht zehn Paar Schuhe auf einmal tragen oder zwanzig Hemden. Viel Besitz sei wohl angenehm, aber es bedeute auch viel Kopfschmerzen.