H o m e   O f   P a u l i O p a

Wie der PauliOpa zu seinen Katzen kam...

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...und wie sich alle in der Familie vom PauliOpa daran gewöhnt hatten, dass sie von solchen etwas eigensinnigen Wesen beherrscht wurden, die ja bekannterweise den Lebensraum der Menschen als ihr Eigentum betrachten und die Menschen selber dort nur dulden, weil sie dadurch verschiedene Annehmlichkeiten haben, weil das tägliche Fressen, das Reinigen der Katzenklo's und anderes.

Die Tochter vom PauliOpa, also meine Mutter, hatte unter ihren Freunden einen Freund, der nach Innsbruck auswandern wollte, um dort an der Universität zu studieren. Er hatte eine Siamkatze und diese wieder einen Sohn. Da er die Katzen nicht nach Innsbruck mitnehmen konnte oder wollte, fragte er meine Mutter, ob sie nicht während seiner Abwesenheit die Katzen bei sich aufnehmen könne. Die geplante Abwesenheit des Bekannten war begrenzt mit einem Jahr. Meine Mutter sagte zu uns sie hatte dann die beiden Katzen bei sich in der Wohnung.

Eines Tages, etwa drei Monate später kam dann meine Mutter zum PauliOpa und fragte ihn, ob er denn nicht für einige Tage auf die Katzen aufpassen möchte, denn sie würde verreisen, sie seien nur zu füttern. Aus den "einigen Tagen" wurde eine lange Zeit...

So kam es, dass der PauliOpa zwei Mitbewohner bekam, die Alina. eine stolze reinrassige Siamkatze und deren Sohn, den Mozart, einen nicht so ganz reinrassigen Kater. Denn Alina dürfte einmal ein "Gspusi" mit einem schwarz-weiß gefleckten Hauskater während eines Aufenthaltes auf dem Land gehabt haben. Mozart hatte die Gestalt und Form einer Siamkatze, war aber auch schwarz-weiß gefleckt und mit einem zwiespältigen Wesen. Während Alina die grande dame der Katzen, eine Gräfin im Auftreten war, schlummerten in Mozarts Brust zwei oder fast drei Seelen, eine vornehme, eine schmusige und eine wilde. Wenn die wilde Seele an die Oberfläche kam, teufelte der Kater duch die ganze Wohnung, er war aber sehr geschickt dabei und es kamen keine Gegenstände zu Bruch. Bei der vornehmen Art reagierte er ganz wie er wollte und wenn man ihn rief, dann kam er an oder nicht, bei der schmusigen Seele kam er schnell daher uns schmierte um die Füße oder ließ sich streicheln und schnurrte zufrieden dabei.

Alina war auch manchmal wie die wilde Jagd in der Wohnung unterwegs, wobei einmal eine kostbare Jugendstilvase zu Bruch ging. Aber was sollte da der PauliOpa anderes machen, als zu sagen: "Samma froh dass hin is. War ma net froh, war's a hin!"?

Siamkatzen sind ganz besondere Wesen, ganz anders als normale Hauskatzen. Sie sind sehr stolz und akzeptieren nur das was sie wollen. Die Menschen, bei denen sie leben sind von ihnen geduldete Mitbewohner, die gnädigerweise auch in der Wohnung leben durften. Auch bei der Speisenwahl war man ganz wählerisch, nur das Beste war gut genug. Manchmal musste der PauliOpa die Alina auch mit dem Löffel füttern, damit sie überhaupt was fraß. Hier war sie aber auch nicht so wählerisch, sondern akzeptierte auch einfachere Speisen, es mussten aber immer so Speisen aus Aluminiumschalen sein. Erhielt sie einmal rohes Fleisch, was nicht so oft vorkam, streikte sie nachher und verweigerte die Nahrungsaufnahme, weil sie meinte, man solle sie weiterhin mit rohem Fleisch ernähren. Der Hungerstreik war aber immer nach wenigen Tagen beendet, wenn sie wieder einen so richtig leeren Magen hatte.

Der PauliOpa war schon in Pension und daher die ganze Zeit zuhause. Die Tiere und der PauliOpa wurden eine Gemeinschaft. So vergingen einige Monate und alles hatte sich eingespielt. Eines Tages wurde aus dem wilden Kater, dem Mozart, ein sehr träger und auch ein etwas trauriger und apathischer Kater, der den ganzen Tag nur mehr herumlag und fast nichts fraß. Ein konsultierter Tierarzt stellte eine schlimme Katzenkrankheit fest. Mozart hatte Leukose, eine Art Leukämie für Katzen. Er wurde immer weniger und eines Tages fand ihn der PauliOpa im Wäschekorb. Er lag da und bewegte sich nicht mehr. Er war gestorben, sanft entschlafen und sicher schon im Katzenhimmel. Der PauliOpa brachte die sterblichen Überreste des Mozart zum Tierarzt, der die weiteren Schritte veranlasste. Ein Begräbnis konnte der PauliOpa nicht ausrichten, da er nicht wusste wo in seiner Gegend ein Katzenfriedhof war und so verscharren wolle der PauliOpa den Mozart nicht.

Einige Tage später telefonierte der PauliOpa mit einem Freund. Da sie schon lange nichts voneinander gehört hatten war es ein längeres Gespräch. Nach vielfältigem Gedankenaustausch fragte der Freund: "Und, gibt es sonst noch was Neues?" Der PauliOpa antwortete nach kurzem Überlegen: "Ja, der Mozart ist gestorben!" Darauf der Freund: "Du bist ein Depp, der ist ja schon 200 Jahre tot! Das ist doch nichts Neues!" Als der PauliOpa seinen Freund über den Sachverhalt aufklärte, lachten sie beide aus vollem Halse.

Die Alina war nun ganz alleine und strich den ganzen Tag in der Wohnung herum, auf der Suche nach ihrem Sohn. Sie jammerte oft herzzerreißend, sie plärrte wie ein kleines Kind. Siamkatzen miauen nicht, sondern sie haben eine ganz andere "Sprache" in die Richtung von Weinen und Greinen von kleinen Kindern. Nach etwa zwei Wochen hatte sie sich damit abgefunden, das sie nun alleine im Revier war, mit dem PauliOpa und der HediOma als Mitglieder ihrer Katzenkommune, die sich um ihr täglich Brot zu kümmern hatten.

Alina war auch eine Katze, die auf Rufen ihres Namens herbeistolzierte, ganz grande dame und sich dann zum PauliOpa auf das Sofa gesellte, wo sie sich so hinplatzierte, dass sie bequem lag und sich auch an den PauliOpa schmiegen konnte. Streichelte man sie schnurrte sie eigenartig, nicht so wie normale Katzen, aber es war ein Zeichen, dass sie sich rundum behaglich und geborgen fühlte.

Hatte der PauliOpa Futter auf ihren Futterplatz gestellt und rief sie, erschien sie wieder von wer weiß wo, lief zum PauliOpa, verhielt kurz, gab so etwas wie ein zustimmendes Maunzen zum Besten und trabte dann im Passgang wie ein kleines Pferdchen in die Küche zu ihrem Futternapf zum Fressen. Sie stand gut im Stall. Nach mehreren Monaten wurde sie etwas rundlicher und bekam die Silhouette eher einer Hauskatze, denn einer Siamkatze. Sie wurde auch wahrscheinlich durch die leichte Gewichtszunahme etwas friedlicher und umgänglicher.

Sie diskutierte auch gerne mit dem PauliOpa oder der HediOma. Wenn man sie ansprach, antwortete sie in Ihrer Maunzesprache, manchmal verständlich durch ihre gefühlvolle oder ärgerliche Aussprache oder dem entsprechenden Tonfall. Kannte man sie näher, wusste man schon eher bald, woran man mit ihr war. Sie hatte auch die Eigenheit zu Lügen. Wenn der PauliOpa die Alina fragte: "Alina, wie macht es ein Hund?", antwortete sie in einem Gemaunze, das alles andere war als Bellen. Natürlich. Der PauliOpa sagte dann streng: "Alina, lüg nicht!" Da schaute die Alina den PauliOpa etwas strafend an, weil sie sich ja keiner Schuld bewusst war.

 Die HediOma war in der Steiermark bei ihren Verwandten. Der PauliOpa den ganzen Tag unterwegs um in einer Firma was zu erledigen. Das war so geplant. Er stellte der Alina Futter für einen ganzen Tag hin. Spät am Abend kehrte der PauliOpa wieder zurück. Das war nicht geplant. Er schloss die Wohnungstüre auf. Alina stand in voller Größe mit dickem, aufgestellten Schwanz mitten im Vorzimmer und schimpfte mit dem PauliOpa in ihrer jetzt durchdringenden Katzensprache, wahrscheinlich sollte das heißen: Wieso kommst Du erst jetzt, wo bist Du gewesen, warum hast Du nicht angerufen... Also das mit dem Anruf kann sie ja weniger gemeint haben. Der PauliOpa meinte, sie habe viel mehr geschimpft als die HediOma, als der PauliOpa einmal länger aus gewesen ist. Als der PauliOpa sie dann zu streicheln begann beruhigte sie sich bald wieder und war wieder ganz friedlich.

Meine Mutter hatte wiedereinmal ein Katze bei Ihr zuhause, da diese aber auch nicht dem Harmoniebedürfnis entsprach, landete diese bald wieder beim PauliOpa, der HediOma und der Alina. So kam die Rosi ins Haus. Das passte der Alina anfangs gar nicht, sie unterjochte die relativ junge Katze sehr und brachte ihr - in ihrem Sinne - Manieren bei. Langsam gewöhnten sich die beiden so ganz verschiedenen Charaktere aneinander. Alina blieb die ruhigere Katze, aber je länger Rosi da war, desto frecher wurde sie und manchmal jagte sie Alina durch die ganze Wohnung. Wenn das der Alina zuviel war, blieb sie stehen, hob die rechte Pfote, pfauchte ein wenig und --- Rosi war wieder friedlich und schlich davon. Zu manchen Zeiten kuschelten sich beide Katzen auf der Decke auf dem Sofa ineinander verschlungen, wobei sich die Alina herabließ, sich von der Rosi komplett putzen zu lassen. Manchmal putzte die Alina die Rosi auch, aber da musste sie schon einen ganz besonderen Tag gehabt haben.

Die Alina war beim PauliOpa dann insgesamt dreizehn Jahre. Der Bekannte meiner Mutter kehrte nicht mehr nach Wien zurück. Immer wieder war die Rede davon dass er bald wieder übersiedeln sollte. Und immer wieder sagte der PauliOpa: "Die Alina? Die geb ich nicht mehr her!" Das machte meine Mutter etwas wütend, sie meinte der PauliOpa könne doch nicht die Katze behalten, sie gehöre ihm doch nicht, noch dazu, wo sie eine Rassekatze wäre. Der PauliOpa beharrte aber immer wieder darauf, die Alina behalten zu wollen. Da wurde es meiner Mutter zu bunt, sie informierte den Rupert über diesen Sachverhalt. Da rief der Rupert dann beim PauliOpa an und sagte:" Ich komme wahrscheinlich nicht mehr so bald nach Wien zurück. Ich weiß auch, dass es die Alina gut bei Euch hat. Daher schenke ich Euch die Alina!" Der PauliOpa war ganz überrascht, denn er hatte nicht wirklich die Katze behalten wollen. Als er jedoch diese gute Nachricht vernahm, freute er sich sehr und bedankte sich bei Rupert sehr. So war die Alina dann beim PauliOpa und der HediOma und nicht zuletzt auch bei der Rosi, oder die genannten durften bei Alina wohnen!

Alina war eine Hauskatze durch und durch, das bedeutet, dass sie niemals die Wohnung von PauliOpa verließ, mochten alle Fenster auch sperrangelweit offen sein. Sie saß dann bei Schönwetter immer an einem der Fenster in der Sonne, mit leicht geschlossenen Augen und genoss es sich von den Sonnestrahlen wärmen zu lassen. Im Winter lag sie immer auf den Heizkörpern der Etagenheizung in PauliOpas Wohnung. Das hatte die Rosi auch alles von der Alina übernommen. Als die Rosi eines Tages vom Fenster im Erdgeschoss auf den anschließenden Parkplatz gefallen war, saß sie dann auch mitten auf dem Parkplatz und plärrte wie ein kleines Kind, so laut und durchdringend. Gottseidank waren die HediOma und der PauliOpa in der Nähe. Die HediOma ging auf den Parkplatz und hole die Rosi wieder herein. Die stürmte in die Wohnung, mit einem dicken Schweif wie ein Fuchs, maunzte kurz und legte sich zur Erholung vom Schrecken auf das Sofa, wo sie einige Zeit brauchte, um sich wieder zu beruhigen.

Eines Morgens tauchte die Alina nicht mehr auf, auch auf intensivstes Rufen nicht. Bei der Kontrolle der Lieblingsplätze fand der PauliOpa dann die Alina in einem Fach im eingebauten Kasten im Schlafzimmer, wohin sie sich verkrochen hatte. Sie lag da, kalt und steif und rührte sich nicht mehr. Den PauliOpa rannen die Tränen von den Wangen, auch der HediOma und mir war das nicht alles eins. Alina war im Katzenhimmel. Auch sie wurde dann über die Katzenbestattung - wieder ohne Zeremonie - weggebracht. Der PauliOpa und die HediOma waren da sehr traurig, auch die Rosi schien die Alina zu vermissen.

Eine längere Zeit der Trauer brach an. Rosi aber hatte schnell heraußen, dass sie nunmehr die "Henne" im Korb war und nach einigen Tagen der vergeblichen Suche trat sie wie selbstverständlich die Nachfolge der Alina an, nicht ganz so majestätisch, nicht ganz so adelig, aber doch in gewisser Weise von Tag zu Tag herzlicher. Jetzt erscheint sie auch auf Zuruf und beginnt mit dem PauliOpa zu diskutieren. Eines macht sie nicht: Sie lügt nicht. Der PauliOpa hat sich auch keine zweite Katze mehr ins Haus geholt, zumindest bis jetzt noch nicht.

So ist also der PauliOpa zu seinen Katzen gekommen...