H o m e   O f   P a u l i O p a

Wie der PauliOpa im Mairegen wuchs...

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...das verwunderte mich sehr, denn ich hatte immer geglaubt, dass das kein Märchen sei. Scheinbar hatte ich mich da aber gewaltig geirrt...

Eines Tages, es war gerade ein Maitag, aber nicht einer von den normalerweise sehr schönen, sondern einer von den sehr verregneten, war ich wieder einmal beim PauliOpa zu Besuch.

Zum Zeitvertreib schauten wir aus dem Fenster in den Garten und beobachteten den Regen, wie er vom Himmel fiel und hörten seinem Rauschen zu. Eine angenehme Stimmung überkam mich. Ich sah die Blumen und die anderen Pflanzen, denen das Nass vom Himmel augenscheinlich sehr gut tat und besser gefiel als uns.

Wie wir also die Regentropfen beobachteten und über dieses und jenes sprachen, holte der PauliOpa plötzlich einen Bleistift und ging zur Wohnzimmertür. Dort stellte er sich mit dem Rücken zum Türstock auf und machte mit dem an der Oberseite seines Kopfes waagrecht gehaltenen Bleistift einen Strich, um dort seine Größe anzuzeichnen.

Dann sagte der PauliOpa: "Komm, wir ziehen uns unsere Regenjacken an und stellen uns in den Regen. Ich habe gehört, dass der Mairegen größer macht und uns wachsen lässt. Sollen wir es probieren?"

Ich war sofort Feuer und Flamme für diese Probe und so stellte ich mich auch an den Türstock und der PauliOpa markierte dort ebenfalls meine Größe. Dann zogen wir die Regenjacken an und stiefelten in den Garten. Wir liefen dort im Regen eine geraume Zeit auf und ab. Es war zwar ein bisschen nass, und einige vorwitzige Wassertropfen rannen mir vom Hals über den Rücken, aber da es nicht kalt war, störte mich das nicht sonderlich.

Der PauliOpa sagte auch, dass das nur bei warmem Wetter funktioniere, wenn das Wasser nicht kalt sei. In jenem Falle würde man kleiner und würde nicht wachsen. Und außerdem könnte man sich einen gewaltigen Schnupfen holen.

Als wir dann nach einer Weile wieder im Wohnzimmer waren, stellte ich mich an den Türstock und der PauliOpa machte einen Strich. Als wir das Ergebnis betrachteten, stellte ich fest, dass ich eigentlich nicht gewachsen war.

Der PauliOpa hat sich auch an den Türstock gestellt. Als wir seinen Strich begutachteten, stellten wir fest, dass er um einen ganzen Zentimeter gewachsen war. Ich war sehr erstaunt darüber, aber der PauliOpa auch...

Dann erzählte er mir, dass diese Sache mit dem Wachsen im Mairegen wahrscheinlich daher rühre, dass die Menschen, als sie noch mehr Landwirtschaft betrieben und die Natur besser beobachteten und hüteten, festgestellt hätten, dass die im März und April auf den Feldern gesäten und ausgesetzten Pflanzen nach einem Regen im Mai tatsächlich ein schönes Stück mehr aus dem Boden herausschauten und alle glaubten, dass sie selber auch wachsen würden, wenn sie im Mairegen herumliefen.

Ich fand, dass das eine schöne Geschichte sei, und der PauliOpa meinte, dass sie auch wahr sei, denn wie man gesehen hat, war auch er gewachsen. Ich war etwas enttäuscht, dass es bei mir nicht funktioniert hat. Warum, weiß ich bis heute nicht...

In den den nächsten Jahren lief ich immer wieder im Mairegen herum und ich habe auch festgestellt, dass ich gewachsen bin, zwar nicht so schnell wie der PauliOpa damals, aber immerhin.

Allerdings glaube ich, dass der Mairegen nur zum Teil dafür verantwortlich war, aber wer weiß das schon...

Du kannst das ja auch im nächsten Mai probieren, wenn du daran denkst.